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Geschichte der Plakatierung

150 Jahre Litfaßsäule

Liftsäule
Litfaßsäule

Vor 150 Jahren ärgerte sich ein Berliner Druckereibesitzer und Zeitungsverleger über die wild aufgeklebten Zettel überall in seiner Heimatstadt. Sein Ärger brachte ihn auf eine glänzende Idee: Er wollte Säulen im öffentlichen Raum aufstellen, auf denen Ankündigungen, Aufrufe, aber auch kommerzielle Reklame affichiert werden sollte.

Kurzfilm zur Geschichte der Litfaßsäule

Ernst Litfaß, so hieß der Drucker, war klar, dass er dabei die Unterstützung der öffentlichen Hand – konkret der Stadtverwaltung von Berlin – brauchte, da sie im Besitz der öffentlichen Flächen war.

Also machte er der Berliner Stadtverwaltung den Vorschlag, sie könne, wenn sie die Aufstellung der Säulen genehmige, kostenlos ihre eigenen Kundmachungen, Anschläge, Aufrufe, behördliche Mitteilungen, etc. anbringen und damit die Kommunikation zu den Bürgern verbessern.

Diese Argumente wirkten, und so begann der Druckereibesitzer, der sich zudem zusätzliche Auslastung für sein Unternehmen erwartete, mit der Konstruktion und dem Aufstellen der Säulen.

Allerdings gab es Vorschriften der Stadt, deren Spuren man heute noch an den sogenannten historischen Litfaßsäulen sieht. Das Stadtwappen und die Stadtchronierung mussten deutlich angebracht sein, die Säulen mussten eine gewisse Höhe erreichen und derart massiv sein, dass sie jedem Wetter trotzten, gleichzeitig aber so, dass man sie auch wegtransportieren konnte.

Die Litfaßsäulen waren auf Anhieb ein Erfolg. Die Menschen versammelten sich in Scharen um die „Anschläge“, wie die Kleinplakate, die damals üblich waren, genannt wurden.

Die Litfaßsäulen waren die Geburtsstunde der Außenwerbung. Zunächst waren es die lokalen Textil-, Mode- und Lebensmittelgeschäfte, die Reklame (reclamare – zu sich rufen) auf Litfaßsäulen buchten, dann kam die Industrie hinzu.

In der Zeit entwickelte sich auch das, was man heute Marken nennt. In einer Gesellschaft, die moderne automatische Fabrikation schon kannte, die moderne Transportwege (Eisenbahnausbau in voller Vehemenz) kannte und auch eine neue Mittelklasse, die vermögend war, herausbrachte, bildete sich ein neuer arbeitsteiliger Nachfragemarkt heraus, der die Basis für Werbung erst schuf.

Wo Wettbewerb beginnt, beginnt auch Werbung. Dieser Satz wird ebenfalls Ernst Litfaß zugeschrieben, der als der „Säulenheilige“ in die Berliner Stadtgeschichte einging.

Binnen weniger Jahre breitete sich die Litfaßsäule in allen großen Städten Europas aus: in Wien, Paris, Prag, in anderen deutschen Großstädten wie Hamburg oder München, aber auch in den angelsächsischen Ländern.

Diese Ausweitung war gewissermaßen Nebenwirkung der Globalisierung des Warenverkehrs, die Ende des 19. Jahrhunderts massiv wurde.

Das System war in allen Städten dasselbe: Kooperationen mit den Kommunen zur Nutzung des öffentlichen Raumes, kostenlose Anschlagmöglichkeit der Kommunen.

Die ersten „Anschlagsunternehmen“ waren bezeichnenderweise entweder städtische Unternehmen selbst (wie etwa die Gewista in Wien) oder Parteiunternehmen, die über die kommunikativen Notwendigkeiten und die notwendigen Einflussmöglichkeiten in den Stadtparlamenten verfügten.

Die Litfaßsäule im 20. Jahrhundert

Populär wurde die Litfaßsäule vor allem durch die Kunst und Künstler wie Henri Marie Raymond de Toulouse-Lautrec, die Sezessionisten in Österreich und die Moderne des späten 19. Jahrhunderts in Europa.

Im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich in den Großstädten und Megapolen ein reger Kunst- und Kulturbetrieb, der nicht mehr vom Adel ausging, sondern vom Bürgertum.

Theater und Revues schossen ebenso aus dem Boden wie Kunstgalerien und Kunstschauen, die um ein neues breites Publikum kämpften. Die idealen Verbreiter dafür waren Litfaßsäulen, die Träger von Kunstplakaten. Städte wurden zu Galerien des öffentlichen Raumes und Litfaßsäulen zu deren Trägern – freilich oft auch Träger des Anstoßes.

Berühmte Künstler entwarfen – zum Teil auch zur Eigenreklame für sich und ihre Ausstellungen – beeindruckende Plakate, die zu tausenden affichiert wurden: Toulouse-Lautrec, Manet, Matisse.

In Wien etwa wurde die sezessionistische Bewegung, die sich als Gegenströmung zur vorherrschenden akademischen Kunst verstand, über damals revolutionäre Plakate eines Gustav Klimt mit einem Schlag öffentlich bekannt und auch angefeindet.

Die Litfaßsäule hatte bewiesen, welche – heute würde man sagen Awareness – sie über Nacht auslösen kann.

Diese Erkenntnis machte sich nach und nach auch die werbetreibende Wirt-schaft, die zunehmendem Wettbewerb ausgesetzt war, zu eigen, wobei die Litfaßsäule die Inkarnation von Außenwerbung darstellte. Die klassischen Plakatflächen, die man heute kennt, wurden erst viel später systematisch und geplant eingesetzt.